Miguel Oliveira: «Mit Michelin wird alles ganz anders» - BMW-Neuzugang blickt auf 2027

Miguel Oliveira: «Mit Michelin wird es sehr unterschiedlich sein»
Ein Wechsel von der MotoGP in die Superbike-WM ist selten leicht - Miguel Oliveira meistert ihn gerade mit Bravour. In seiner ersten Saison auf der BMW M 1000 RR steht der Portugiese bereits bei vier Podestplätzen, und das mit einem Motorrad, das erst 2024 und 2025 mit Toprak Razgatlioglu die Weltmeisterschaft geholt hat. Kein schlechter Einstand für jemanden, der sechs Jahre lang MotoGP-Prototypen von KTM, Aprilia und Yamaha bewegt hat.
Zwei völlig verschiedene Welten
Der Umstieg von einer 300-PS-Rakete mit ausgefeilter Aerodynamik auf ein seriennahes Superbike mit rund 250 PS klingt nach einem Rückschritt - ist es aber nicht, findet Oliveira. Auf die Frage, was ihm mehr Spaß macht, antwortet er klar: “Wenn du auf beiden schnell bist, dann machen beide sehr viel Spaß. Es gibt da keine eindeutige Präferenz, denn das Superbike ist ebenfalls ein Motorrad, das viel Spaß macht. Sie sind aber so unterschiedlich - man kann sie nicht miteinander vergleichen.”
Genau dieser Unterschied ist es auch, der die BMW M 1000 RR für Fahrer wie Oliveira reizvoll macht: ein Chassis, das im Gegensatz zum steifen MotoGP-Prototypen deutlich mehr Bewegung zulässt und dadurch einen komplett anderen Fahrstil erfordert. “Die Bewegungen kommen mehr von den Reifen. Aber es stimmt, dass sich das Superbike etwas mehr bewegt. Im Gegensatz zum MotoGP-Bike benötigt es einen anderen Ansatz”, erklärt der ROKiT-BMW-Pilot.
Michelin kommt 2027 - und bringt eine neue Herausforderung
Für 2027 stehen im Superbike-Reglement einige Neuerungen an: Carbon-Keramik-Bremsscheiben von Brembo halten Einzug, und mit Michelin übernimmt ein neuer Einheitsreifen-Lieferant die Ausrüstung der gesamten Klasse. Für Oliveira ist das eine besonders spannende Aufgabe - schließlich kennt er die französischen Pneus bereits aus seiner MotoGP-Zeit, allerdings unter komplett anderen Rahmenbedingungen.
“Ich habe die Michelin-Reifen bislang noch nicht getestet - es gab für mich noch keine Gelegenheit dazu. Es wird aber mit Sicherheit sehr unterschiedlich sein”, so Oliveira. Der Grund liegt auf der Hand: Was auf einem steifen Prototypen-Chassis funktioniert, muss auf dem beweglicheren Superbike-Rahmen der M 1000 RR erst neu erarbeitet werden. Erste Antworten darauf soll ein Test am 9. und 10. September auf dem Cremona Circuit liefern, bei dem Michelin seine neuen Superbike-Reifen erstmals im großen Rahmen erprobt.
BMW mit Blick nach vorn
Mit Platz zehn in der Fahrerwertung und 106 Punkten hat sich Oliveira in seinem Rookie-Jahr solide etabliert - und das in einem Feld, in dem sich die BMW M 1000 RR gegen etablierte Ducati-, Kawasaki- und Yamaha-Piloten behaupten muss. Für das ROKiT BMW Motorrad WorldSBK Team ist der erfahrene Zugang aus der MotoGP ein wichtiger Baustein für die kommenden Jahre - gerade jetzt, wo mit dem Michelin-Wechsel und den neuen Bremsen 2027 eine technische Zäsur bevorsteht, bei der Erfahrung und Anpassungsfähigkeit den Unterschied machen können. Es bleibt spannend zu beobachten, wie schnell sich Oliveira und die M 1000 RR auf die neuen Reifen einstellen - die ersten Hinweise gibt es schon in wenigen Wochen in Cremona.