Kampfgeist in Misano: Oliveiras Comeback, van der Marks Klasse und Petruccis Weg zurück
Misano brennt: BMW M mit Kampfgeist
Manche Rennwochenenden schreiben ihre Geschichte nicht allein über Sekunden und Positionen - sondern über den Willen, der dahintersteckt. Misano war genau so ein Wochenende für das BMW Motorrad WorldSBK Team. Drei Namen, drei Geschichten, eine gemeinsame Botschaft: Aufgeben ist keine Option.
Oliveira ist zurück - und wie
Auf dieses Comeback haben viele gewartet. Miguel Oliveira hat nach seiner schweren Schulterverletzung - er hatte sich Anfang Mai beim unverschuldeten Unfall auf dem Balaton Park Circuit in Ungarn verletzt - in Misano wieder den Sattel der BMW M 1000 RR übernommen. Nach intensiver Reha und letzten medizinischen Tests vor Ort bekam er grünes Licht. Sein Ziel: einfach wieder in den Rennrhythmus kommen, Schritt für Schritt das Gefühl für das Bike zurückgewinnen.
Was dann folgte, übertraf alle Erwartungen. Im Qualifying sicherte sich Oliveira Startplatz elf - ein starkes Zeichen eines Fahrers, der noch nicht bei hundert Prozent ist. Im ersten Hauptrennen am Samstag legte er dann richtig los: Von Position 11 arbeitete er sich durch das Feld und beendete das Rennen auf einem hervorragenden achten Platz. Noch beeindruckender war das Superpole Race am Sonntagmorgen - trotz noch größerer Schmerzen als am Vortag fuhr Oliveira einen fulminanten sechsten Platz. Ein Ergebnis, das selbst ihn überraschte.
Das zweite Hauptrennen am Sonntag endete dagegen vorzeitig: Oliveira musste die Box ansteuern und schied aus. Die körperliche Belastung war schlicht zu groß - er hatte das Gefühl, das Motorrad nicht mehr vollständig kontrollieren zu können. Es war die richtige Entscheidung, kein weiteres Risiko einzugehen. „Nach nur fünf Wochen wieder hier zu sein, ist bereits eine große Leistung”, sagte Oliveira nach dem Wochenende. Und: Wer Rang acht und Rang sechs trotz massiver Schmerzen und ohne jegliches Vortest-Programm einfährt, hat das Feld längst überzeugt.
Van der Mark: Zuverlässig, stark, konstant
Während Oliveira sein Comeback feierte, übernahm Michael van der Mark auf der anderen Seite der Garage - als Ersatzmann für den verletzten Petrucci. Kein einfaches Wochenende, wie er selbst sagte: Das erste Hauptrennen am Samstag endete mit einem technischen Defekt, als er bereits auf Punktekurs lag. Ärgerlich - und nichts, was er beeinflussen konnte.
Am Sonntag antwortete der Niederländer mit Substanz. Im Superpole Race kämpfte er sich von Startplatz 16 auf Rang elf, nach eigener Aussage mit einer persönlichen Bestzeit auf diesem Kurs. Im zweiten Hauptrennen war er dann richtig gut: Von Position 16 startend, machte er gleich sieben Plätze gut und verteidigte einen starken neunten Platz bis zur Ziellinie - unter anderem gegen Sam Lowes, der bis ins Ziel Druck machte. Van der Mark ist nicht der Typ, der mit Gesten für Schlagzeilen sorgt. Er tut es mit Rundenzeiten.
Petrucci: Der dritte im Bunde - noch aus der Box
Danilo Petrucci war in Misano zwar nicht im Rennen, aber alles andere als untätig. Der Italiener hatte sich beim Rennen in Most unter anderem eine Fraktur des Steißbeins zugezogen und befand sich noch im Heilungsprozess. Mehrere kleinere Probleme - vor allem an Knien und linkem Bein - machten ein weiteres Abwarten nötig. Petrucci unterstützte das Team dennoch als wichtige Stütze in der Box bei seinem Heimrennen und brachte seine Erfahrung ein, so gut es ging.
Das Ziel ist klar: Beim nächsten WorldSBK-Rennen in Donington Park - 10. bis 12. Juli - soll Petrucci wieder an den Start gehen. Wer ihn kennt, weiß: Er macht, er wartet nicht. Und die Rückkehr auf die M 1000 RR ist für ihn kein Fragezeichen, sondern eine Frage der Zeit.
BMW M 1000 RR: Das Fundament stimmt
Alle drei Geschichten dieses Wochenendes haben eine gemeinsame Basis: die BMW M 1000 RR, die in der WorldSBK inzwischen ein ernstzunehmender Faktor ist. In der Herstellerwertung steht BMW nach sieben von zwölf Runden auf Rang drei - hinter Ducati und Bimota. In der Fahrerwertung liegt Oliveira auf Platz neun mit 97 Punkten. Die Testarbeit, die van der Mark im Laufe des Wochenendes trotz allem geleistet hat, war nach Aussage des Teams ein echter Gewinn für die Entwicklung.
Donington wartet. Die vierwöchige Pause wird genutzt, um Fahrer und Motorrad weiterzubringen - und dann sollen, wenn alles gut läuft, wieder beide Stammfahrer am Start stehen. Misano hat gezeigt, was in diesem Team steckt. Jetzt wird darauf aufgebaut.