BMW Motorrad PowerCup
← Alle Beiträge
· Joe

BMW-Technikchef Gonschor nach Donington-Dämpfer: Ehrliche Worte statt Ausreden

BMW-Technikchef Gonschor nach Donington-Dämpfer: Ehrliche Worte statt Ausreden

BMW-Technikchef Gonschor nach Donington-Dämpfer: “Wir haben uns irreleiten lassen”

Manchmal sagt ein einziger Satz mehr als jede Pressemitteilung. BMWs Technikchef Gonschor hat nach dem England-Wochenende der Superbike-WM in Donington Park keinen Zweifel daran gelassen, wie ernst die Lage für die Propellermarke gerade ist: “Wir haben uns irreleiten lassen.”

Was war passiert? Vor dem Renn-Wochenende hatte BMW in Donington Park einen Test absolviert, der Hoffnung machte. Die Daten sahen gut aus, die Stimmung im Team war entsprechend positiv - und genau das wurde am Ende zur Falle. Denn als es im WM-Wochenende dann wirklich zählte, drehte sich das Bild komplett. Statt an der Spitze mitzumischen, blieb als bestes Resultat gerade einmal Platz 11 übrig. Für ein Werksteam mit den Ambitionen, die BMW in der Superbike-WM verfolgt, ist das ein herber Dämpfer.

Wenn der Test in die falsche Richtung zeigt

Gonschors Eingeständnis ist deshalb bemerkenswert, weil es genau den Punkt trifft, an dem viele Rennteams ins Straucheln geraten: Ein Test unter bestimmten Bedingungen - anderer Reifen-Zustand, anderes Wetter, andere Streckentemperatur - kann ein völlig anderes Bild liefern als das eigentliche Rennwochenende. BMW hatte offenbar genau auf diese vermeintlich vielversprechenden Testdaten gesetzt und die Abstimmung des M 1000 RR entsprechend ausgerichtet. Im Renneinsatz zeigte sich dann, dass diese Richtung nicht getragen hat.

Das ist bitter, aber es ist auch ehrlich kommuniziert. Statt die Enttäuschung schönzureden oder auf äußere Umstände zu schieben, benennt der Technikchef das Problem beim Namen: eine Fehleinschätzung im eigenen Lager. Genau diese Offenheit ist es, die man von einem Werksteam erwarten darf, das seinen Anspruch auf Spitzenplätze in der Superbike-WM ernst nimmt.

Viel Arbeit, aber auch viel zu lernen

Für BMW Motorrad Motorsport bedeutet der Donington-Ausflug jetzt vor allem eines: zurück ans Reißbrett. Die Ingenieure müssen herausfinden, warum die Testdaten und die Renn-Realität so weit auseinanderlagen, und daraus die richtigen Schlüsse für die Abstimmung der M 1000 RR ziehen. Das betrifft nicht nur das Fahrwerk-Setup, sondern letztlich das gesamte Verständnis dafür, wie sich das Motorrad unter echten Renn-Bedingungen verhält, wenn Reifenabbau, Streckengummi und Konkurrenzdruck ins Spiel kommen.

Genau solche Rückschläge gehören zum Rennsport dazu - gerade in einer Superbike-WM, in der die Unterschiede zwischen den Werken minimal sind und jedes Detail über Sieg oder Mittelfeld entscheidet. Für BMW zählt jetzt, aus dem England-Wochenende die richtigen Lehren zu ziehen, bevor die nächsten Runden anstehen. Der Anspruch, mit der M 1000 RR wieder vorne mitzufahren, bleibt ungebrochen - auch wenn der Weg dorthin nach Donington Park erkennbar steiniger geworden ist.

Joe

Autor·in auf BMW Motorrad PowerCup